CDU Brandenburg sperrt Journalisten aus

CDU Brandenburg sperrt Journalisten aus

Die Kampfabstimmung zwischen Katherina Reiche und Saskia Ludwig um die CDU-Bundestagskandidatur für Potsdam und Potsdam-Mittelmark ist entschieden. Begonnen hatte der Freitagabend aber mit einem Skandal: Die CDU sperrte alle Journalisten aus dem Veranstaltungsraum aus.

Auf betreiben der mittelmärkischen CDU wurden alle Journalisten von der Veranstaltung ausgesperrt. Ohne die Chance, die tatsächliche Atmosphäre im Tagungsraum  im Schützenhaus in Werder (Havel) zu beobachten, wurden die Journalisten in einen Nebenraum verwiesen, in den die Veranstaltung lediglich übertragen wird. Einfluss auf die Bildführung haben die Journalisten von Tageszeitungen, Rundfunk- und TV-Sendern sowie Nachrichtenagenturen nicht. Einen eigenen Eindruck vom Geschehen können sie sich nicht machen. Die Aussperrung der Journalisten fand auf Betreiben des CDU-Kreisverbandes Potsdam-Mittelmark statt. Vertreter des Kreisverbandes Potsdam distanzierten sich noch am Abend. An der Veranstaltung nehmen mehr als 400 CDU-Mitglieder aus beiden Kreisverbänden teil.

Als Vorsitzende der CDU Potsdam-Mittelmark trägt Saskia Ludwig die Verantwortung für dieses Vorgehen gegen Pressevertreter, das die Pressefreiheit einschränkt. Besonders Pikant: Ludwig ist ebenfalls Mitglied im ZDF-Fernsehrat. Das Aussperren von Journalisten dürfte Ludwig wohl kaum für diese Tätigkeit qualifizieren.

Unter den von der CDU in Werder Ausgesperrten war auch ein Redakteur der Potsdamer Neuesten Nachrichten. PNN-Chefredakteur Peter Tiede bezeichnete das Verfahren der CDU am Freitagabend als Zensur: „Es ist ein eindeutiger Versuch, Berichterstattung zu behindern und Einfluss auf Berichterstatter zu nehmen. Mit  demokratischen Gepflogenheiten hat das nichts zu tun. Journalisten sollen aus eigenem Erleben berichten, das wird so unmöglich gemacht.“ Die CDU Brandenburg habe mit dem Verhalten des Kreisverbandes Potsdam-Mittelmark eine Grenze überschritten, so Tiede. Er forderte von der Parteispitze eine Bitte um Entschuldigung bei den ausgesperrten Journalisten und eine Klarstellung gegenüber den betroffenen Medienhäusern.

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