Vorstandschef der dapd: „AFP versucht, die Pressefreiheit in Deutschland einzuschränken“

Vorstandschef der dapd: „AFP versucht, die Pressefreiheit in Deutschland einzuschränken“

Harte Bandagen im Kampf der Nachrichtenagenturen. Der dapd-Vorstandschef und Miteigentümer Martin Vorderwülbecke erhebt im kressreport-Interview schwere Vorwürfe gegen die Agence France Presse (AFP). Diese versuche, die Pressefreiheit in Deutschland einzuschränken.

Zwei Monate vor dem geplanten Start eines französischen Textdienstes hat Martin Vorderwülbecke, Miteigentümer und Vorstandschef der dapd-Gruppe, den Marktführer in Frankreich, die Agence France Presse (AFP) angegriffen: Sie sei “existenziell vom Wohlwollen des französischen Staats abhängig und deshalb in ihrer Berichterstattung nicht frei”, sagte er im Interview mit dem Branchendienst kressreport. Der dapd wird allerdings auch vom Bundespresseamt der Bundesregierung ein Budget von 1,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Vorderwülbecke warf der konkurrierenden Nachrichtenagentur zudem vor, dapd mit “Drohungen und Klagen” einschüchtern zu wollen. Die AFP ist in einigen Fällen juristisch gegen Äußerungen aus der dapd vorgegangen oder hat gedroht, das zu tun (kress.de vom 3. Februar 2012). “Es ist eine Tolldreistigkeit, wie diese französische Firma, die von einem ehemaligen Staatsbeamten geleitet wird, versucht, in Deutschland die Pressefreiheit einzuschränken und den Wettbewerb durch staatlich subventionierte Berichterstattung zu untergraben”, sagte er.

Vorderwülbeckes dapd-Gruppe will Mitte September unter dem Namen Sipa News einen Textdienst in Frankreich anbieten, der eine vollwertige Alternative zu den AFP-Diensten darstellt, aber bis zu 40 Prozent billiger ist. “Es handelt sich im Wesentlichen um eine Hauptstadtberichterstattung, die von Anfang an die Ressorts Politik, Vermischtes, Kultur und Wirtschaft umfasst”, kündigte Vorderwülbecke im kressreport an. Die dapd-Gruppe werde zudem von Anfang an einen Sportdienst anbieten und auf Basis des Weltdienstes von Associated Press (AP) aus dem Ausland berichten. Die dapd-Gruppe hat daher gerade die französische AP-Niederlassung gekauft.

Die dapd hat bereits 2010 bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die Subventionierung der AFP durch den französischen Staat eingelegt. „Wir möchten keine Subventionen, die freie Presse sollte sich davon fernhalten. Die AFP mischt sich in den deutschen Nachrichtenmarkt ein, indem sie ihren deutschsprachigen Dienst betreibt. Würde sich die AFP in Deutschland nicht so exponieren, dann hätten wir uns auch nicht über die Subventionierung der AFP aufgeregt“, so Vorderwülbecke. Im Interview mit dem kressreport fordert der dapd-Eigentümer die französische Agentur nun zum Rückzug aus Deutschland auf, wo sie mit der AFP GmbH und dem Sport-Informations-Dienst (SID) aktiv ist: “Die AFP Paris muss darlegen, wofür sie die Subventionen im Einzelnen braucht. Die Finanzierung eines deutschen Dienstes wird wohl kaum dazu gehören”, meint Vorderwülbecke. “Wenn sie in Frankreich überleben will, muss sie sich aus Deutschland zurückziehen.”

Das Interview mit Martin Vorderwülbecke ist im kressreport 15/2012 erschienen. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.kress.de.

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