Das Crowdfunding ist kaputt!

Das Crowdfunding ist kaputt!

Es ist eine gute Geschichte: 25 freie Journalisten und drei „Alphatiere des Onlinejournalismus“ zogen aus, um eine Vision zu realisieren. Einen Online-Journalismus, der ausschließlich von seinen Lesern finanziert wird. Doch anders als in den Niederlanden verweigert  die „Crowd“ die Finanzierung. Ist das Crowdfunding kaputt?

Die Revolution des Online-Journalismus

Hohe Autorenfreiheit, finanzielle Unabhängigkeit von Unternehmen, keine pedantischen Bezahlschranken, multimediale Geschichten und ein enger Kontakt zwischen Journalisten und ihren Lesern. Das sind hohe und erstrebenswerte Ziele. Und die haben ihren Preis.

Die Initiatoren des Crowdfunding-Projekts „Onlinemagazin Krautreporter“ beziffern diesen Preis auf 900.000 Euro pro Jahr – für den Anfang. Das sind, übersetzt in die Sprache des Crowdfundings, 15.000 Abonnenten und ein Jahresbeitrag pro Leser von 60 Euro. Sebastian Esser, Philipp Schwörbel und Alexander von Streit – allesamt bekannt in der Medienszene für ihre großen Erfahrungen mit digitalen Projekten – haben den Stein ins Rollen gebracht. Mit ihnen 25 Journalisten, die bei etablierten Medien arbeiten und fleißig bloggen, facebooken und twittern. Stefan Niggemeier, Richard Gutjahr und Tilo Jung gehören dazu. Doch reicht das aus?

Das Vorbild kommt aus den Niederlanden. Die Macher von „De Correspondent“ lösten ein ähnlich großes Medienecho aus wie die Krautreporter. Doch darauf folgte, ganz anders als hierzulande, eine spektakuläre Resonanz aus der Bevölkerung. Innerhalb weniger Stunden gewann „De Correspondent“ einige Tausend Leser. Innerhalb von drei Wochen übertrafen die niederländischen Kollegen die nötige Anzahl von Abonnenten, um ihr Medium zu gründen. Es waren ebenfalls 15.000 nötig.

20 Cent pro Autor und Monat

Eine Woche vor Ablauf der Finanzierungsfrist sieht die Lage für die Krautreporter dagegen düster aus. 7.242 Abonnenten konnten innerhalb von drei Wochen überzeugt werden, 20 Cent pro Autor und Monat für das angepriesene Onlinemagazin auszugeben. Dabei reichte auch bei den Krautreportern das Medienecho von „Meedia“ über „Spiegel Online“ bis zur „FAZ“, von Online über Print bis ins Fernsehen. – Und sie gewannen sogar FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher als prominenten Fürsprecher. Trotzdem bleibt der Erfolg jenseits der eigenen Branche weitgehend aus. Oder vielleicht genau deswegen?

„Crowdfunding-Projekte müssen den Einzelnen direkt berühren. Emotional“

Viele Journalisten dürften den fast noch jungen Online-Kollegen ein Finanzierungswunder auf der Zielgeraden wünschen. Haben die Krautreporter noch ein As im Ärmel? Denn klar ist: Dass ein Crowdfunding-Projekt, das eine Woche vor Fristablauf noch nicht die Hälfte der nötigen Summe eingespielt hat, letztendlich realisiert wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Das erklärte uns Krautreporter-Gründer Sebastian Esser im vergangenen Jahr selbst. „Pressefreiheit in Deutschland“ initiierte damals gemeinsam mit der „Initiative Nachrichtenaufklärung“ und Krautreporter.de als Finanzierungsplattform das Projekt: Reporter für die Pressefreiheit! Dabei wurden die jährlich von der „Initiative-Nachrichtenaufklärung“ herausgegebenen „Top Ten der unterdrückten Themen in den Medien“ aufgegriffen. Zehn Autoren(teams) boten anschließend der Crowd an, sich um diese Themen zu kümmern und umfassend darüber zu publizieren. Das Ergebnis: Drei von zehn Themen aus der Top-10-Liste der von den Medien am meisten vernachlässigten Themen konnten sich eine vierstellige Finanzierung sichern. Ein kleiner Sieg für „Pressefreiheit in Deutschland“. Eine Wiederauflage des Projekts ist für dieses Jahr bereits in Planung.

Direkt und emotional müsse ein Crowdfunding-Projekt sein, damit es erfolgreich sein könne, erklärte Esser in diesem Kontext. Ein Thema, ein publizistisches Ziel, eine engagierte wenn auch kleine „Crowd“, die für das Thema brennt. Das sind die Schlüssel für ein realisierbares, journalistisches Crowdfunding-Projekt. Erfüllt das erdachte „Onlinemagazin Krautreporter“ diese Bedingungen?

Folgt eurer Passion. Baut eure Vision!

„Journalisten sollen ihrer Passion folgen und über Themen schreiben, die sie wirklich interessieren“, charakterisiert Alexander von Streit den Geist seines zukünftigen „Onlinemagazins Krautreporter“. Er ist der gesetzte Chefredakteur. Dieser Satz zeigt in seiner Negation das Problem der Journalismus-Branche: Zahlreiche Kollegen schreiben über Themen, die sie gar nicht berühren. Recherchieren halbherzig für aus ihrer Sicht uninteressante Artikel, – vielleicht im Kontext eines Corporate Publishings. Sie folgen der täglichen Polit- und Medienagenda, erfüllen im vorauseilenden Gehorsam die Vorstellung von Chefredakteuren, Verlegern, Intendanten.

Die Krautreporter träumen zu Recht ihren Traum vom unabhängigen (Online-) Journalismus mit guten Voraussetzungen für gute Geschichten und gute Journalisten. „Pressefreiheit in Deutschland“ hat einen ähnlichen Traum: Einen Traum, in dem Journalisten zahlreich ihre eigenen Medien gründen! Und schreiben, was sie denken und nicht, was sie sollen. Einen Traum, in dem Verlage wie Journalisten und Publisher „NEIN!“ sagen zur CPC-Vergütungsmentalität von Werbetreibenden (diese Entwicklung hat bei uns aktuell begonnen)! Einen Traum, in dem alte Medienstrukturen sterben, damit Neues geboren wird! Und es gab nie eine bessere Zeit für diese Träume als heute: Krisenzeit ist und bleibt Gründerzeit. – Vielleicht auch für die Krautreporter.

Rückblick und Ausblick: Reporter für die Pressefreiheit


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  • Maria

    Diese Überschrift alleine spricht doch Bände, da diese Aussage schlichtweg eine Lüge ist.

    Nur, weil es diesen Damen und Herren bisher nicht gelungen ist die crowd zu überzeugen, dass es ihr Produkt wert ist unterstützt zu werden – schwupps die wupps ist die crowd mal kaputt.
    Peinlich und beschämend finde ich das UND es ist eine totale Mainstreamaussage.

    Crowfunding LEBT und der FREIE MENSCH entscheidet eben selbst, was er mit seinem hart erarbeiteten Geld macht – oder eben auch nicht.

    http://www.golem.de/news/mini-server-maya-sammelt-eine-million-euro-auf-crowdfunding-plattform-1406-106969.html

    http://www.wiwo.de/erfolg/gruender/schwarmfinanzierung-besonders-erfolgreiche-crowdfunding-projekte/5983884.html

    • Björn

      Danke Maria,
      du bringst es auf den Punkt: Crowdfunding funktioniert. Aktuell gibt es Projekte, die nie da gewesene Summen einspielen.
      Die Headline soll provozieren! Ist das allein ein schlechtes Angebot der Krautreporter? Oder fehlt der Bevölkerung Bewusstsein für innovative Medienprojekte? – Vielleicht ist es beides. …

      • Maria

        Björn, das mag so sein,
        doch wir wollen doch alle eine ehrliche, gerechte, gute, gesunde, lebendige, … Welt, wo Menschen authentisch sind und in Frieden und Freiheit leben, wo Vertrauen IST und Miteinander.

        Worte sind Energien, sie haben Macht, sie setzen Schwingungen direkt um in Schöpfung und diese Welt hat,
        meinem Empfinden nach, wahrlich genug Provozierendes geschöpft :).
        Eine gute Überschrift ist im besten Falle die Zusammenfassung eines Textes – die kreative Essenz, die Lust macht weiterzulesen.

        Crowdfunding – sind wir das wirklich wert?
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        Crowdfunding – …

        Innovative Medienprodukte gibt es übrigens auch im www.
        Gute Nachrichten, Gegenmeinung, Sternenlichter, tv-orange, quer-denker, sciencefiles, netzfrauen, einartysken, Alles Schall und Rauch, global research, … und auch auf youtube gibt es eine große Vielfalt, …

        • Josi

          Was soll der Mist mit dem Crowdfunding? Ein paar Journalisten spucken große, überhebliche Töne und loben sich vorweg schon in den Himmel mit arroganten Sprüchen. Warum soll ich für so etwas zahlen, das bis dato noch nichts an Qualität geliefert hat.

          Ein Blog wie z.B. http://www.regensburg-digital.de ist seit Jahren etabliert. Hat einen Förderverein. Bringt gut recherchierte und kritische, undabhängige Beiträge, die es bis nach oben in die großen Magazine und TV-Produktionen schaffen.

          Qualität muss erst geliefert und über mehrere Monate bestätigt werden. Dann funktioniert das. Und überregional oder global schon mal gar nicht, sondern lokal!

  • Pingback: “Mehr Radikalität im Journalismus” – die Krautreporter kommen! | Pressefreiheit in Deutschland()

  • Laura

    Die Meinungen zum Thema Crowdfunding gehen auch heute noch in die unterschiedlichsten Richtungen. Dennoch müssen einige davon schon überzeugt sein, denn ansonsten würde man Artikel wie auf http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2016-01/36278376-crowd-investiert-1-million-euro-in-nachhaltige-crowdfunding-plattform-007.htm nicht lesen.