Deutsche Medien schweigen über Haftbefehl gegen US-Journalistin Amy Goodman!

Deutsche Medien schweigen über Haftbefehl gegen US-Journalistin Amy Goodman!

Von Verena Rau:

US-Journalistin Amy Goodman filmt drastische Bilder: Schreie, Menschen werden gewaltsam auf den Boden geworfen und blutverschmierte Hunde, die sich nur mühsam an den Leinen festhalten lassen. Unscharfe Kameraaufnahmen zeigen das Ausmaß des Protestes, der Anfang September in North-Dakota gegen die Dakota Pipeline stattfand.

Dennoch scharf genug, um die brutale Niederschlagung des Aufstandes in vollem Ausmaß zu filmen, die Aufnahmen zeigen auch Amy Goodman, US-amerikanische Journalistin und Menschenrechtlerin. Immer wieder setzte sich Goodman in der Vergangenheit für Menschenrechte, Medienfreiheit und eine Stärkung der Demokratie in verschiedenen Nationen, darunter auch die Vereinigten Staaten, ein.

So auch in North Dakota, als sie über die Proteste gegen das Dakota Access Pipeline Projekt auf ihrem unabhängigen Nachrichtenkanal Democracy Now! berichtete. Ihr Beitrag zeigt, wie Demonstranten mit Pfefferspray, beißenden Hunden und Schlägen zum Aufhören gebracht werden sollen. Haftbefehl wegen Überwinden einer Absperrung und Beteiligung an einem nicht genehmigten Protest lautet die Konsequenz der Filmaufnahmen für Goodman. Die amerikanische Justiz wird eine Antwort auf den Vorfall finden.

USA: Land der begrenzten Möglichkeiten

Interessanter dürften jedoch die Fragen sein, die seit dem Protest unbeantwortet bleiben

Warum werden die Demonstranten so gewaltsam zurückgedrängt? Und warum darf über das Verhalten der US-Polizisten scheinbar nicht berichtet werden? Ist die Begründung für den Haftbefehl von Amy Goodman gerechtfertigt? Oder liegt der Verdacht nahe, so eine langjährige Kritikerin auszuschalten?

Der 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, welcher 1791 verabschiedet wurde, garantiert neben Versammlungsfreiheit, auch Meinungs- und Pressefreiheit in den USA. Jenem Land, das gerne mit den Adjektiven liberal, modern und vielfältig beschrieben wird. Die Realität sieht, wie der Fall Goodman beweist, anders aus. Auch in der internationalen Rangliste der Pressefreiheit liegt die USA lediglich auf Platz 41. Zu sehr tragen das harte Vorgehen gegen Whistleblower und die umfassende digitale Überwachung in den vergangenen Jahren zu diesem Ergebnis bei.

Deutsche Medien schweigen zum Fall Amy Goodman

Die USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – spätestens wenn es um Meinungs- und Pressefreiheit geht, zeigen Exekutive und Judikative die begrenzten Möglichkeiten für Journalisten, Reporter und Privatpersonen auf.

Der Fall Goodman zeigt nicht nur, wie das wichtige Gut der Pressefreiheit in den USA in der Realität umgesetzt wird, sondern auch, wie wenig das Verhalten der US-Justiz im Fall Goodman international reflektiert wird. Weniger als fünf verschiedene Medien berichteten über das Verhalten und Folgen der US-Justiz  in Deutschland. In Europa fand jener Vorfall kaum Beachtung.

Fehlte etwa die Brisanz? Wäre dies ebenso, wenn sich der Protest nicht in einer kleinen Stadt in North Dakota, sondern in der Nähe von Moskau oder Pyongyang ereignet hätte? Wohl kaum.

Seit Jahren fehlt in Deutschland eine kritische Analyse des Verhaltens der USA im Bereich der Meinungs- und Pressefreiheit. Stattdessen zeichnen sich deutsche Medienvertreter in Stillschweigen aus, als würde Nichtberichten mit Nichtgeschehen gleichgesetzt werden können. Doch dem ist nicht so, das beweist der Fall Goodman deutlich.

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