Dreist: Barclays erhöht Boni – und feuert Tausende

Dreist: Barclays erhöht Boni – und feuert Tausende

Die Zeiten für Investmentbanking sind schwierig geworden. Deshalb will die britische Bank Barclays zwischen 10.000 und 12.000 Stellen streichen. – Und erhöht gleichzeitig die Boni für Investmentbanker. Der seit 2012 amtierende Firmenchef Antony Jenkins setzt nun den Sparkurs durch und stellt gleichzeitig fest: „Wir bei Barclays glauben daran, für Leistung zu bezahlen.“ Was das heißt?

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

„Die Boni-Zahlungen im Jahr 2013 wuchsen um 10 Prozent auf 2,38 Milliarden Pfund. Davon bekommen die Investmentbanker das meiste: Pro Kopf gibt es im Schnitt 60 100 Pfund zusätzlich zum Festgehalt.“

Wie soll man diese „leistungsgerechte Bezahlung“ seiner Nachbarin vermitteln? Die Steuerzahler auf der Insel, die Teile der Finanzbranche 2008 mit ihren Geldern vor einem Zusammenbruch retteten, dürften „not amused“ sein. Den von Großbanken angekündigten „Kulturwandel“ haben sie sich sicher anders vorgestellt. Der Wandel der Firmenkultur sei ein leeres Versprechen, monierte Ciaran Naidoo von der größten britischen Gewerkschaft Unite the Union: „Während die Top-Banker hohe Geldsummen scheffeln, müssen die einfachen Mitarbeiter in Call-Centern und den Filialen mit niedrigen Löhnen auskommen und um ihre Jobs fürchten“, bringt Naidoo auf den Punkt.

„Wir stehen im scharfen Wettbewerb um die besten Investmentbanker“

Boni werden häufig mit dem „Kampf um die besten Köpfe“ begründet. Die besten Köpfe? – Was die können, beschreibt Reuters im kühlen Stil des Nachrichtenjournalismus:

„Im vergangenen Jahr brach der Vorsteuergewinn des Konzerns um knapp ein Drittel auf 5,2 Milliarden Pfund ein. Das Investmentbanking rutschte im vierten Quartal unter anderem wegen hoher Restrukturierungskosten sowie Sonderlasten für Rechtsstreitigkeiten und Strafen sogar in die Verlustzone.“

Vor diesem Hintergrund wirkt dieser Imagefilm von Barclays wie Realsatire.

Barclays-Chef Jenkins zeigt Verständnis und bleibt gleichzeitig beratungsresistent: „Ich verstehe, dass manche die Bonus-Anhebungen für eine falsche Entscheidung halten könnten“, so Jenkins, „es ist aber richtig für die drittgrößte britische Bank, die im scharfen Wettbewerb um die besten Investmentbanker steht.“

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