EU Parlament hört Snowden zur NSA-Überwachung: Das sind die Fragen

EU Parlament hört Snowden zur NSA-Überwachung: Das sind die Fragen

Der Innen- und Justizausschuss (LIBE-Ausschuss) des Europäischen Parlaments wird den NSA-Whistleblower Edward Snowden befragen

Die zuständigen Abgeordneten im Innen- und Justizausschuss wollen den NSA-Whistleblower Edward Snowden per Videoaufzeichnung in einer der kommenden Sitzungen der Untersuchung zur Massenüberwachung anhören. Edward Snowden wird darin auf Fragen der Mitglieder des Innen- und Justizausschusses antworten. Die Sitzung könnte frühestens am 18. Dezember vormittags stattfinden.

Dazu der EU-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht,  innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament: „Snowden hat sich bereit erklärt, auf Fragen der Abgeordneten zu antworten und soll nun in einer der kommenden Sitzungen der Sonderuntersuchung zur Massenüberwachung angehört werden. Nur die britischen Konservativen (ECR-Fraktion) sind dagegen, was keine Überraschung ist.  Die offizielle Entscheidung, auch über die genaue Auswahl der Fragen, wird beim nächsten Treffen des federführenden Berichterstatters Claude Moraes (Labour/UK) mit den Berichterstattern der anderen Fraktionen am 12. Dezember getroffen.“

Keine Live-Übertragung aus Sicherheitsgründen

Eine Live-Schaltung zu Edward Snowden, die zuerst erwogen wurde, ist leider aus Sicherheitsgründen nicht möglich, weil dies unter Umständen der NSA seinen Standort in Moskau verraten würde. Daher wird er per Videoaufzeichnung auf schriftliche Fragen antworten. Der frühestmögliche Termin für die Anhörung Snowdens ist die LIBE-Sitzung am 18. Dezember vormittags. In dieser Sitzung wird auch der Entwurf des Abschlussberichts der Sonderuntersuchung vorgestellt werden. Am 17. Dezember sind darüber hinaus Vertreter aus dem US-Repräsentantenhaus in Brüssel zu Gesprächen mit dem Europäischen Parlament, unter anderem der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Mike Rogers. Falls es zum 18. Dezember aus logistischen Gründen nicht klappen sollte, wird die Stellungnahme Snowdens im Januar dem Ausschuss präsentiert.

Stellungnahme vor der Sonderuntersuchung

Bereits am 30. September hatte Edward Snowdens Anwältin Jesselyn Raddack in einer der ersten Anhörungen der LIBE-Sonderuntersuchung eine Stellungnahme von Snowden verlesen:

(Text der Stellungnahme: http://dissenter.firedoglake.com/2013/09/30/snowdens-statement-to-european-parliamentary-committee-on-greatest-human-rights-challenge-of-our-time.)

Jesselyn Radack ist selber ehemalige Whistleblowerin aus dem US-Justizministerium und heute Direktorin der Abteilung „National Security and Human Rights“ des Government Accountability Project. Grundlage der LIBE-Sonderuntersuchung zur Massenüberwachung ist eine Resolution des Europäischen Parlaments vom 4. Juli 2013, die mit sehr großer Mehrheit angenommen wurde.

(Resolution, Europäische Parlament, 4. Juli 2013, fraktionsübergreifende Forderung, den Überwachungsskandal durch den Innen- und Justizausschusses zu untersuchen: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P7-TA-2013-)

„Es ist ein großer Erfolg des Europäischen Parlaments, dass Edward Snowden sich als zentraler Zeuge im Überwachungsskandal bereit erklärt, dem Europäischen Parlament gegenüber öffentlich auszusagen.“

„Es ist ein großer Erfolg des Europäischen Parlaments, dass Edward Snowden sich als zentraler Zeuge im Überwachungsskandal bereit erklärt, dem Europäischen Parlament gegenüber öffentlich auszusagen“, erklärt Albrecht. „Ein halbes Jahr nach den ersten Veröffentlichungen aus dem Fundus seiner zahlreichen NSA-Dokumente, deren Wahrheitsgehalt bis heute nicht widerlegt werden konnte, gibt es noch immer keine Konsequenzen der politisch Verantwortlichen. Diese muss das Europäische Parlament nun einfordern.“ Die Grünen hatten als erste Fraktion gefordert, Edward Snowden als Zeugen in den Innen- und Justizausschuss einzuladen,

Questions to Mr Snowden

Und das sind die Fragen an Edward Snowden, die Albrecht eingereicht hat:

  1. How is your personal situation?
  2. Could we help you in any way? Do you seek asylum in the EU?
  3. Are important revelations still to be published or is the main thrust public knowledge by now?
  4. The reaction of the US administration to some of the revelations was that you and/or the journalists did not interpret the information in the correct way – what is your reaction?
  5. In your view, are the mass surveillance activities based on valid national security concerns or are there ulterior motives, and if so which ones? [can be deleted, already covered by 10.]
  6. If the current situation regarding oversight and control of national security agencies does not change and technology keeps developing in its current pace, how would you see mass surveillance develop in the next few years?
  7. What would you recommend in terms of policy measures that should be taken (in Europe) to prevent this kind of mass surveillance from taking place or at least better control it?
  8. End October 2013 media revealed that according to your information thousands of mails and communications in Spain, France, Netherlands or Germany had been also taped by NSA between June 2012 and January 2013.  However the NSA representatives and US authorities stressed that the information you passed to the media was wrong or inaccurate.  NSA said that actually there were the national intelligence agencies of these countries which had undertaken this mass surveillance an interception and that NSA was not involve at all on these facts.  They also alleged that the national intelligence services of these countries had only intercepted communications in third countries presenting a risk (Afghanistan) and never of their own residents. Could you comment on this? Do you know if the national services of these countries limited their taping to persons in other countries or they also had access to communications of their own nationals/residents?  Do you know if these countries exchanged information acquired each other and with NSA and in this case whether they received information about their own nationals?
  9. Do you know whether the information collected by NSA is only used for counterterrorism purposes or is also used for other purposes (e.g. commercial or industrial espionage, fighting tax evasion or  small or minor offences; general foreign policy interests; etc.)
  10. The leaked documents often show concepts and capabilities. To which extent are they used? Always on a mass scale?
  11. Can you confirm cyberattacks by the NSA or other intelligence agencies on EU institutions, telecommunications providers such as Belgacom and SWIFT, or any other EU-based companies?
  12. Is the tapping of internet backbones outside the US done mainly at the major internet exchanges, by tapping into undersea cables with, or how? If at the exchanges, how does the NSA get access to them?
  13. There are allegations that your activities are helping terrorists. What is your reaction?
  14. Why could we not interview you via a live video link?

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