Falsche Familienministerin: Kristina Schröder zensiert Wissenschaftler – ohne Konsequenzen

Falsche Familienministerin: Kristina Schröder zensiert Wissenschaftler – ohne Konsequenzen

Von Björn Bendig:

Die Vorwürfe gegen Kristina Schröder wiegen schwer. Sie verfälschte die Ergebnisse einer groß angelegten Studie. Anstatt den schwarz-gelben Fehlschlag in der Familienpolitik selbstkritisch zu reflektieren, zensierte Schröder die Wissenschaftler. Laut dem Münchener Ifo-Institut ist das Ehegattensplitting in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie „kontraproduktiv“ und der positive Effekt einer Kindergelderhöhung ist „nicht messbar“. Milliardenschwere Instrumente ohne Auswirkungen.

Zensur von Pressemitteilungen

Die Forscher weisen deutlich darauf hin, dass reine Geldleistungen in der Familienpolitik oft das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. „Die neue familienpolitische Maßnahme des Betreuungsgeldes lässt dabei vergleichbare Effekte erwarten“, so die Forscher. Hier platzte Schröder wohl der Kragen: Der Satz wurde aus der Pressemitteilung des Ifo-Instituts entfernt. Denn die beteiligten Forschungsinstitute mussten ihre Pressemitteilungen Schröders Ministerium vorlegen.

An Realsatire grenzt Schröders Umgang mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die Pressemitteilung des ZEW lehnte das Ministerium kurzerhand komplett ab. Der Text landete im Papierkorb. Stattdessen habe man sich auf eine „eher inhaltslose“ Mitteilung geeinigt, so ZEW-Forscher Holger Bonin.

Die Chefs der beteiligten Institute kritisierten das Vorgehen mit scharfen Worten. „Die wissenschaftliche Expertise wurde ignoriert und vom Ministerium politisiert“, erklärt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Ein „hässlicher Fleck“

Helmut Rainer ist einer der Autoren der Studie: „Wir konnten die Schlussfolgerungen von Frau Schröder und auch von Herrn Schäuble in keiner Weise mit den Ergebnissen unserer Untersuchung in Einklang bringen“, sagte der Ifo-Wissenschaftler FOCUS Online. Wird Schäuble damit zum Wiederholungstäter? Im Armuts- und Reichtumsbericht wurde ebenfalls kräftig gekürzt und gestrichen.

„Merkels Regierungsbilanz erhält einen neuen hässlichen Fleck: Ausgerechnet im bürgerlichen Kabinett werden wissenschaftliche Ergebnisse umgedeutet und die beteiligten Forscher lächerlich gemacht“, ist das Fazit der Printausgabe des SPIEGEL.

Schröder hat zu Recht Angst vor einer Evaluation ihrer Familienpolitik – sie hat beim Kita-Ausbau versagt, das kontraproduktive Betreuungsgeld umgesetzt, und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird für die meisten immer schwieriger.

 

Quelle: Abwaehlkalender.de

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  • Baldur Gatte

    naja, weder dem IFO-Institut noch dem DIW ist zu trauen oder der Bundesregierung, von Zensur zu sprechen ist in diesem Zusammenhang etwas seltsam, weil Lug und Betrug zum Geschäftswesen der drei genannten Institutionen gehört.

  • Arno Nym

    Das ist gängige Praxis der Regierungsparteien (v.a. CDU, SPD und FDP) und vor allem in der Drogenpolitik mehr als normal. Hier werden Gefälligkeitsgutachten für die CDU als Tatsachen hingestellt, die dem wissenschaftlichen stand kaum mehr widersprechen könnten.
    Stichworte für Interessierte: die Legal High Studie von
    Dr. Bernd Werse und die vertuschte Kleiberstudie unter Horst Seehofer.
    Ähnliches wird uns wahrscheinlich mit der DRUID Studie vielleicht sogar Europaweit passieren.

    Es ist defintiv noch zu wenig Investigativjournalismus in der Drogenpoltik zu finden, der hinterfragt warum die Entscheidungen von Politikern sich so stark von den Empfehlungen der Wissenschaftler unterscheiden. (So eine Studie kostet ja auch gerne mal mehrere Millionen Euro!)

  • Dr. Jürgen

    Wann wird endlich erkannt, dass Frau Schröder eine absolute Fehlbesetzung für das Familienministerium ist?

    Sie ist unfähig, tragfähige und effektive Konzepte zu entwickeln. Sie ist unfähig, konstruktive Kritik in wirkungsvolle Maßnahme oder Reformen umzuwandeln. Alles, was sie kann, ist: die Kritik zu löschen.

    Sie hat das Betreuungsgeld verbockt. Sie schafft keine vernünftige Frau- und Familienpolitk. Sie muss weg als Ministerin.

  • hajü

    Na, das ist doch ein Gefecht unter neopositivistischen Hofschranzen.
    Die Modellrechnung ist doch etwas arg primitiv, an der die 6 Ziele der Prüfung der Studien angelegt werden. Die Ziele selbst sind nicht „evaluiert“ oder begründet. Bewertet wird nicht nur mit funktionellen Kriterien, sondern es geht ganz viel un“gesunder“ Menschenverstand mit ein.
    Kinderbetreuung als einzige habe keine Zielkonflikte. Ehegattensplitting dagegen sehr wohl.

    Die Wertungen werden an Hand von Vorgaben aus der Pollitik gemacht und von Vorgaben aus dem Arbeitsministerium – und der Bundesanstalt für Arbeit mit ihren knappen Mitteln.

    Kinderbetreuung ab dem ersten Jahr ist völlig positiv und erscheint fast als neue Norm. Neben einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit in den Famililen. So wird Kinderwunsch jenseits der zweikinderfamilie, die ja gerade Bevölkerungszahl reproduziert, ermögllicht. In genauen Prozentzahlen… ermittelt.

    Da geht doch Einiges Durcheinander… Die Argumentation von der super ausgebildeten Akademikerin, die den Anschluss durch drei Jahre Kinderbetreuung auf Ewigkeiten verliert. Durcheinander mit der Mutter der erwerbsschwachen Familie, die mit dem drei Monate alten Kind sich nicht als freigesetzt für den Arbeitsmarkt fühlt. Die Rechnungen zeigen noch, dass – je länger zu Hause… desto schwieriger. Und – Bewertung von Ehegattensplitting –

    Die Adressaten der Ergebnisse sind zwar in der Zielgruppe zu suchen. Und die meisten davon werden Jobs finden – oder wieder in ihre Jobs kommen, die gut bezahlt sind.
    Was ist mit der Floristin, der Bäckerreifachverkäuferin, der Teilzeitkraft in der Pflege…
    Die treffen auf einen Arbeitsmarkt, der voll ist.
    Hier geht es am allerwenigsten um Kindeswohl, am allerwenigsten um Gleichberechtigung von Mann und Frau – eher um Konkurrenz der Geschlechter, um Lohnarbeit noch billiger zu machen, oder um den Staat noch weiter zu entlasten.
    Was für ein Menschenbild…. Menschenverachtend…. Keiner der Referrenten hat mit Sicherheit Erfahrungen mit Kindern. Und – die Referenten nehmen für sich selbst in Anspruch, das ihre Kinder gegebenenfalls Eliteschulen besuchen, von den Massenkrippen für Babys, die bald rund um die Uhr geöffnet haben, fern zu bleiben – sie zu meiden wie die Pest. Denn Elite – selbst unter Akademikern mit Hang zu Prostitution und ewig dauernden Praktika – reproduziert sich immer unter sich. In den Krippen könnten ihre Kinder mit zu vielen nicht deutsch sprechenden Kindern konfrontiert werden. (Facharbeitermangel-lücken-lüge) (Konkurrenz belebt das GEschäft, stabiliert Europa, das durch Ratschläge aus denselben Federn unterzugehen droht, senkt schön die Lohnstückkosten… )
    Diese ganzen zweifelhaften Institute, die wir unter knackigem Logo und schönen Kürzeln nach amerikanischem Muster betreiben…
    Zum Kot….en und rausgeschmissenens GEld.
    Man könnte fast den Eindruck haben, diese Typen helfen mit an einer Welt, in der kaum noch ein Verdiener eine Familie finanzieren kann.
    Wissenschaft fängt da an, wo einige Binsenweisheiten, auf die sich diese schamlosen Rechtfertiger ewig berufen, reflektiert, gegebenenfalls hinterfragt und sorgfältig begründet werden. Hinter deren Wissenschaftsgeplänkel gehen Werte, Ziele und Fakten völlig durcheinander. Erste Frage ist, wohin wollen wir. Was wollen die Menschen? Was ist das Kindeswohl? (Ging es in der Evaluation um Stabilität der Gesellschaft? um leere Kassen? um politische Parteien? um Erwartungen von Auftragsgebern? All dies wird nicht benannt…
    An Invektiven gegenüber der Person einer von bestimmten CDU-Kreisen – um Koch herum – gemobbten Famililenministerin, die obendrein sich gegenüber einer Staatsschauspielerin mit Inclination zu ähnllichen Weisheiten wie hier vorgestellt, als Wissenschaftler und somit unbestechlich profilieren zu wollen – ist ein weiterer zwielichtiger Zug an diesem GEfälligkeitsmüll. Der obendrein absolut überbezahlt ist.
    Von diesen Instituten – gibt es seit der Kohl-Epoche Vielzuviele.
    Und sie biedern sich alle wunderbar an als Faktor im Verteilungskampf und helfen wunderbar mit, von unten wegzunehmen und oben zu pampern. Kleine Zyniker… Eine Art Huren …. Vielleicht haben Physikerinnen einen Hang zu diesen drögen Studien und Evaluationen…
    Klassenkampf von Oben… Am Beispiel des Ehegattensplittings wurde es vorgerechnet…
    Wann hat der Staat – vor allem auf den Rat so zwielichtiger Gestalten hin – schon mal Geld in die Quellen gegeben, aus denen er es genommen hat?
    Auf dem Rücken einer geschassten Familienministerin sich als wissenschaftlich autonom zu profilieren – äusserst seriös…
    Am besten haben mir im Publikum der heutigen Pressekonferenz die unbewegten Minen einiger Reporter gefallen. Es schien, als seien die von dem als dünnblütiger Müll daherkommendem Zeug eingeschlafen, aber die meisten kennen die hier herrschenden Meinungen, und die immer selben Argumente und Vorstellungen, wie moderne Massenviehhaltung zu funktionieren hat…
    H.

  • hajü

    ist das wissenschaftlich, nur die Bereitschaft der Frauen, dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung zu stehen, zu berechnen als Funktion der verschiedenen zu hinterfragenden Fördermassnahmen. Der Auftrag war wohl, zu erforschen, was kann weggenommen werden?
    Ohne sofortiges Risiko? Wie bleibt die Gesellschaft bei zunehmender Verarmung einigermassen stabil?
    Das mögen so die impliziten Ziele sein. Das wollen die Auftraggeber von ihren H… sehen.

    Und – ist es nicht geradezu unanständig, die Rechnung ohne den Kontext aufzumachen? Die stehen einem Arbeitsmarkt gegenüber, der voll ist. Der Kuchen kann nur einmal verteilt werden.
    Keiner weiss das so wie die, …Ist das seriös – von den (jetzt) Überbezahlten, Überflüssigen?
    H.