Gründerzeit: Top 7 des „Roboter-Journalismus“

Gründerzeit: Top 7 des „Roboter-Journalismus“

Krisenzeit ist Gründerzeit:

Die tägliche Informationsflut wächst und stellt Journalisten vor neue Herausforderungen. Innovative Start-ups helfen uns, zu filtern. Dabei setzt sich ein Mix aus Automatisierung und Spezialisierung durch. Was die „Roboter-Journalisten“ alles können? Sie entdecken, sortieren, organisieren, produzieren und verbreiten exklusive Inhalte, egal ob aktuelle Fotos, relevante Videos, ansprechende Infografiken oder die wichtigsten Tweets. Willkommen im Informationszeitalter.

Der European Newspaper Congress (ENC), vom 4. bis 6. Mai 2014, präsentiert in einem Special erste Ergebnisse dieser neuartigen Kooperationsmodelle:

1. Scoopshot (Finnland):

www.scoopshot.com macht es möglich, schneller, gezielter und exklusiver als früher Fotos zu beschaffen – und das in den meisten Fällen auch deutlich günstiger. Der Dienst basiert auf dem Prinzip des Crowdsourcing. Mehrere hundertaused freie Fotografen laden per Smartphone Fotos hoch und bestimmen ihre Preise. So generiert Scoopshot immer neue Bilder, mit deren Hilfe Redaktionen Geschichten entwickeln können. Medienkunden sind u.a. Metro, WAZ, 20minutes.fr, Holtzbrinck (Der Tagesspiegel/Potsdamer Neueste Nachrichten) und die Deutsche Welle. Auch Konsumentenmarken wie Heineken, Nokia und sogar Google nutzen Scoopshot.

Gründer: Niko Ruokosuo, CEO von Scoopshot, gründete Scoopshot im Jahr 2010. Er hatte zuvor verschiedene internationale Führungspositionen inne, z.B. CO von SRMG, dem größten börsennotierten Medienunternehmen im Nahen Osten, Geschäftsführung von Sanoma City Magazines in Finnland und der Abteilung “Recycler classified” der “Los Angeles Times”

2. Tame (Deutschland):

http://tame.it steigert den Nutzen von Twitter, so dass der Kurznachrichtendienst nutzergerecht durchsucht und redaktionell sinnvoll eingesetzt werden kann. Tame sortiert Tweets nach Themen und Hashtags, Benutzerkonten, Relevanz und anderen Kriterien. Die Daten werden fortlaufend über einen Zeitraum von 24 Stunden gespeichert. Zu den ersten Kunden von Tame zählen die New York Times, die BBC oder Zeit Online. In Wien soll eine neue Technologie für Verlage vorgestellt werden, die Interaktionen von Followern analysiert und den Einfluss misst, den Twitter auf sie hat.

Gründer: Frederik Fischer, Mitgründer und Geschäftsführer von Tame, arbeitete früher als Technologiejournalist für Sender und Magazine wie ARD, ZDF, ZEIT Online oder WIRED, bevor er Tame mit zwei Kollegen gründente. Die Idee dazu entstand während einer Recherche an den Universitäten von Aarhus, Amsterdam und an der City University London, wo er untersuchte wie neu gegründete US Nachrichten-Unternehmen ihre Inhalte verbreiten. Frederik versteht sich als Journalist, der Programmierkenntnisse mit dem Ethos, dem Gespür und dem Handwerk des klassischen Journalismus’ verbindet.

3. Datawrapper (europaweit):

www.datawrapper.de dient der Visualisierung von Daten aller Art. Er dient Nachrichtenredaktionen, die unter großem Zeitdruck arbeiten. Redakteure können innerhalb weniger Minuten detaillierte und aussagekräftige, interaktive Grafiken anfertigen und diese leicht in sämtliche ihrer digitalen Produkte integrieren. Datawrapper kann auch problemlos an individuelle Stilvorlagen und in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden und ermöglicht auch reibungslose Digital-to-print Lösungen. Der Dienst wird seit 2012 international von zahlreichen Medien genutzt: u.a. Guardian, Twitter, Der Standard, NZZ, Der Spiegel, Die Welt, Washington Post, Fairfax Media. Eine Basisversion steht kostenfrei zur Verfügung, die Anpassung und Integration in das CMS von Kunden wird berechnet. 2012 gewann Datawrapper den African News Challenge Award und 2013 den Best-startup-for-news Award des GEN www.globaleditorsnetwork.org.

Gründer: Mirko Lorenz, Gründer und Geschäftsführer von Datawrapper, ist ein so genannter Information Architect aus Köln. Er beschreibt seine Aufgabe selbst als Vermittlung zwischen Entwicklern (Programmiercodes) einerseits und Journalisten (Inhalte) andererseits. Neben seiner Arbeit für Datawrapper ist Mirko auch Partner im Projekt Journalism++ (www.jplusplus.org), ein europaweites Netzwerk von Datenjournalisten in Amsterdam, Berlin, Paris, Stockholm.

4. Niiu (Deutschland):

www.niiu.de ist eine Tablet App, die für Nutzer ein redaktionelles Angebot aus den Inhalten unterschiedlicher Zeitungsmarken bündelt und wie eine individualisierte digitale Tageszeitung genutzt werden kann. Niiu ist damit ein bisher einmaliges Hybridmodell für Nutzer, die sich ein “Crossover” verschiedener Quellen und Ressorts wünschen. Für einzelne Medienmarken stellt es zugleich einen weiteren attraktiven Vertriebsweg neben Einzel-, Abo- und Sonderverkauf sowie Apple- und Android-Kiosken. Niiu kooperiert bereits mit 30 Zeitungsmarken, u.a. mit Axel Springers BILD, Welt und Hamburger Abendblatt, mit der NZZ oder Holtzbrincks Tagesspiegel.

Gründer: Wanja S. Oberhof, Gründer und Geschäftsführer von Niiu, stellte bereits 2009 den ersten Prototyp für eine weltweit einmalige 
individualisierte Tageszeitung im Web vor. Als sich in den Jahren 2010 und 2011 abzeichnete, dass das iPad ein völlig neues Leseverhalten erzeugt, konzentrierte er sich auf auf die Realisierung seiner digitalen News App. Mit der Akquisition eines Berliner App-Entwicklers integrierte er wertvolles Know-How in das Team. Der Gründungsgeschichte von niiu ist im Buch “Rulebraker – wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern” ein Kapitel gewidmet.

5. Retresco (Deutschland):

www.retresco.de bietet Verlagen ein Stück schöne neue Welt, indem er die Arbeit von Redaktionen automatisiert – und Journalisten durch Rechnerleistung ersetzt. So werden Themen und Begriffen per Algorithmus im Netz (oder anderen Quellen) aggregiert, semantisch ausgewertet, Inhalte automatisch zusammengestellt und verbreitet. Die Lösungen von Retresco variieren von Kunde zu Kunde: In einem Fall entstehen Themenseiten, im anderen Antworten auf die Fragen von Lesern oder Kunden. Über die Automatisierung hinaus ist es das Ziel, das Engagement der User und die Relevanz in Suchmaschinen zu steigern. Kunden sind u.a. United Internet, N24, FAZ.net, Rheinische Post Digital, Augsburger Allgemeine, Südwest Presse Online, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und das deutsche Ministerium für Gesundheit.

Geschäftsführer Johannes Sommer, Retresco GmbH: Johannes Sommer ist ein Experte für die Digitalisierung der Verlagsbranche. Seit 2013 leitet er den Vertrieb und das Marketing von Retresco. Zuvor war er mehrere Jahre bei der Südwest Presse Online tätig, zuletzt als Leiter Digitale Medien.

6. Storyful (Irland):

Ganz einfach gesagt, ist www.storyful.com so etwas wie ein journalistisches Trüffelschwein im Netz: Das Unternehmen unterstützt Redaktionen in der Web-Recherche und hat sich schon als Quelle vieler Geschichten bewährt, die traditionelle Verlage meistens noch nicht auf dem Radar haben . Wer Storyful nutzt, ist also ‘full of stories’ – vor allem Geschichten. Der Dienst beschreibt sich als “erste globale Nachrichtenagentur für das Netz” (The world’s first social newswire). Mit Sitz in Dublin unterhält es rund um die Uhr ein weltweites Team von Journalisten und Programmierern. In einem genauen Prozess aggegieren, generieren, sichten und verifizieren sie ihre Geschichte in der Social Media Spähre, bevor sie sie aufbereiten und sendefertig machen für Kunden wie ABC News, Reuters oder das Wall Street Journal. Storyful gibt an, im Jahr 2013 rund 750 Millionen Seitenzugriffe vermittelt zu haben.

Adam Thomas ist Produktchef bei Storyful. Mit seinem Team gewann er auch einen ‘Guardian Digital Innovation Award for Social Change’, einen ‘Knight-Batten Award for Innovations in Journalism’ sowie den ‘African News Innovation Challenge Award’. Seine Arbeit umfasst die Weiterentwicklung von Arbeitsabläufen, Infrastruktur und Nachrichtenströmen in Redaktionen. Zuvor war er Kommunikationschef bei Sourcefabric, einem führenden Open Source Dienstleister für Medien. Auch hat er Erfahrung in der Organisation und Moderation zahlreicher internationaler Kongresse zu digitaler Kultur und Medien, zum Beispiel als Gastkurator der Transmedialein Berlin oder des AV Festivals im britischen Newcastle-Upon-Tyne.

7. teleocon (Deutschland):

tevine, das teleocon virtual newsroom system, ist ein nutzerfreundliches System, das es ermöglicht, die Arbeit ganzer Redaktionen rein virtuell vom PC, Tablet oder Smartphone aus zu organisieren. Inspiriert von „LiquidFeedback“, der Entscheidungsfindungsplattform der deutschen Piratenprtei, ermöglicht es mehr Transparenz und Demokratie in Redaktionen – und das bei deutlicher Straffung der Arbeitsabläufe. Physische Anwesenheit ist nicht mehr erforderlich: Jeder Mitarbeiter kann von jedem Ort auf der Welt aus vollständig am Redaktionsgeschehen teilhaben. Sämtliche Entscheidungen werden in tevine rechtssicher dokumentiert. CvDs, Chefredakteure, Programmdirektoren und Verleger können etwaige Probleme im redaktionellen Workflow sofort identifizieren und auf einfache Weise lösen. tevine hat unter anderem die Entwicklung von CENTURIO ermöglicht, einem innovativen Online-Männermagazin, das mit nur 44 Bachelor-Studierenden einer Berliner Hochschule in weniger als 12 Wochen aus dem Boden gestampft worden ist und selbst in China Beachtung gefunden hat.

Gründer Markus L. Blömeke ist Gründer und Geschäftsführer der teleocon | Digital Media Management Consulting and Development mit Sitz in Berlin. Als Experte und Pionier für innovative Multimedia-Solutions im Journalismus gibt er sein Wissen seit 2004 u.a. auch als Dozent an diversen renommierten Hochschulen im In- und Ausland weiter. 2013 entwickelte er mit einem Team Studierender den digitalen Showroom CENTURIO (www.centurio-mag.de), der zeigt, was im Onlinejournalismus möglich ist. In seiner journalistischen Jugend war Blömeke langjährig Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks („Das Erste“, „NDR Fernsehen“) und als Autor für DIE WELT, stern, Men’s Health, Frankfurter Rundschau sowie als Hörfunkjournalist (u.a. NDR 4 Info) tätig.
Der European Newspaper Congress wird von Medienfachverlag Oberauer in Kooperation mit dem Zeitungsdesigner Norbert Küpper veranstaltet.

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