Hacker-Angriff auf Finanzmagazin

Hacker-Angriff auf Finanzmagazin

Spannen Firmen Hacker ein, um kritische Berichterstattung zu unterdrücken? Matthias Hundt, Chefredakteur des Finanzmagazins „procontra“ legt diesen Schluss nahe. Der Online-Auftritt des Magazins wurde in der letzten Woche von einer sogenannten DDoS-Attacke lahmgelegt. Seit Wochen kämpft der Alsterspreeverlag gegen solche Attacken: „Die Website wurde über ein Botnet weltweit von über 50.000 Rechnern angegriffen“, erklärt Sascha Schumann, Experte für die automatisierte Abwehr von DDoS-Angriffen. „Derartige Aggressivität haben wir gegenüber Presseorganen noch nicht gesehen“, so Schumann. Die Angriffe zielen darauf ab, durch unzählige Aufrufe eine Überbelastung des procontra-Servers zu provozieren: „Die Angreifer haben bis zu einer Million Anfragen pro Sekunde gesendet“, erklärt Schumann die Größenordnung.

Ursprung in der Finanzbranche?

Für die procontra-Redaktion ist klar: „Der Angriff kam aus der Finanzbranche, vermutlich aus einer Ecke, der unsere Fragen und Recherchen zu unbequem wurden. Aber das klären derzeit IT-Experten, das LKA und Juristen.” Ziel sei es gewesen, objektive Kritik im Keim zu ersticken. Als eines der wenigen Fachmedien im Bereich der Finanzen und Versicherungen blicke procontra kritisch und kontrovers auf die Geschehnisse der Branche. Für einige Marktteilnehmer sei das anscheinend zu kritisch und zu ausdauernd.

Feinde als Qualitätsmerkmal

„Dieser Angriff war kein Zufall. Er war gezielt und sehr massiv, das bestätigten selbst erfahrene IT-Experten. Er war auch keine Lappalie, denn auf Cyberkriminalität solchen Umfangs steht Gefängnis”, ordnet Chefredakteur Hundt die Geschehnisse ein. Die Angriffe und dessen Erfolg schüchtern Hundt jedoch nicht ein. Im Gegenteil: “Eine bessere Motivationsspritze hätte man uns gar nicht verabreichen können“, so Hundt. „Wir sehen uns bestätigt und bestärkt, unserem Anspruch des unabhängigen Finanzjournalismus in Zukunft noch gerechter zu werden. In einer Branche, wo Milliarden Euro eingesammelt, versichert und angespart werden, darf über Missstände nicht geschwiegen werden.“

Im Kern gehe es um die Lebensplanung vieler Menschen, bei der oftmals keine zweite Chance zur Vorsorge oder Absicherung bestehe, so Hundt. Diese Menschen suchen die Unterstützung von unabhängigen Maklern und Vermittlern.

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