Journalist: Wenig Zeit, viel Druck

Journalist: Wenig Zeit, viel Druck

Eine Studie zeigt: Viele Journalisten können nicht wirklich frei berichten.

Um die innere Pressefreiheit in Deutschlands Redaktionen ist es nicht allzu gut bestellt. Das hat Björn Bendig mit einer Online-Studie herausgefunden, die er im vergangenen Sommer gestartet hatte (Medienmagazin „journalist“ berichtete). Bendig, der sich bereits in seiner Magisterarbeit mit der Autonomie der Redaktionen befasst hat, wollte wissen, ob Journalisten in den Redaktionen tatsächlich ihren Aufgaben nachkommen können. Jetzt liegt das Ergebnis vor – und es zeigt: Journalisten sehen sich in ihrer Arbeit oft eingeschränkt.
[hupso]

Glaubt man den Bewertungen der 291 Journalisten, die sich an der nichtrepräsentativen Studie beteiligt haben, dann hat sich die Lage in den vergangenen fünf bis zehn Jahren sogar noch verschlechtert. Mehr als 50 Prozent waren der Meinung, dass es heute mehr Gefahren für die innere Pressefreiheit gebe als früher.

Björn Bendig, selbst als Medizinjournalist tätig, verweist im Gespräch mit dem Medienmagazin „journalist“ darauf, dass heute bei den Fremdeinflüssen vor allem wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen. So meinten etwa 54 Prozent der Befragten Journalisten, dass es dann besonders schwierig sei, ein Thema durchzubringen, wenn es wirtschaftlich unerwünscht ist. Und 72 Prozent haben beobachtet, dass bei ihrem Medium auf Interessen von Inserenten Rücksicht genommen wird.

„Anstieg des vorauseilenden Gehorsams“ in den Redaktionen

Was Bendig zusätzliche Kopfschmerzen bereitet, sind die sinkenden Recherchezeiten: Rund 73 Prozent stimmten zu, dass es aus Zeitmangel oft schwierig sei, Themen tatsächlich umzusetzen. Der Zeitmangel für die journalistische Recherche korrespondiert damit, dass Journalisten zunehmend Tätigkeiten übernehmen müssen, die nichts oder nur wenig mit ihren Kernkompetenzen zu tun haben: 71 Prozent der Befragten gaben zu, dass sie heute Arbeiten verrichten, die früher andere erledigt haben – seien es Verwaltungstätigkeiten, Technikaufgaben oder Eigen-PR und Marketing.

Björn Bendig hält diese Trends für besorgniserregend: „Ich sehe das als substanzielle Bedrohung eines unabhängigen Journalismus“, sagte er. Auch die zunehmende Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, wirke sich negativ aus. „Sie führt letztlich zu einer stromlinienförmigen Anpassung“, sagt Bendig. 77 Prozent wollen laut Onlinebefragung bereits einen „Anstieg des vorauseilenden Gehorsams“ bemerkt haben. 70 Prozent beobachten angepasstes Verhalten in der Redaktionskonferenz.

Verbinden:




Ähnliche Beiträge zum Thema: