Leyendecker: „Dass man als Journalist saubere Hände behält, glaube ich keine Sekunde“

Leyendecker: „Dass man als Journalist saubere Hände behält, glaube ich keine Sekunde“

Sind Medien und Journalisten korrupt? Die Bevölkerung glaubt das laut Transparency International, Medienexperten wie Hans Leyendecker bestätigen es, und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnt vor einem Verlust an Glaubwürdigkeit.

Drei Mittel, um Journalisten gefügig zu machen

Bei einem Expertengespräch auf der letzten Journalistenkonferenz von Netzwerk Recherche zum Thema Korruption in den Medien wurden die drei Hauptmittel genannt, um Journalisten gefügig zu machen. Erstens über die Ungleichbehandlung: Nur die „liebsten“ Journalisten bekommen demnach begehrte Informationen von Unternehmen, Institutionen und Organisationen. Diese verschaffen jenen Journalisten, die berichten wie erwünscht, einen relevanten Informationevorsprung gegenüber ihren Kollegen, – der sich am Ende rechnet. Für alle daran Beteiligten.

Zweitens wird bei „unliebsamer“ Berichterstattung Druck auf den Verlag und die Chefredaktion ausgeübt. Das hat in vielen Fällen konkrete berufliche Konsequenzen für den berichtenden Journalisten. Er wird vom Thema „abgezogen“ – und zwar dauerhaft.

Und drittens spielen die gemeinsamen Reisen mit Journalisten eine entscheidende Rolle. Haben Journalisten sich erst einmal daran gewöhnt, gemeinsam mit Spitzenentscheidern erster Klasse um die Welt zu fliegen, fehlt ihnen meist die nötige Distanz zum Objekt der Berichterstattung. Eine Distanz, die Journalistenverbände regelmäßig fordern.

Keine Diskussion

„Die Debatte über Korruption in den Medien wurde nie richtig geführt“, erklärt Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung. „Man sagte Motor- und Reisejournalisten seien Korrupt – und da blieb die Debatte dann stehen“, so Leyendecker weiter. Und soviel ist klar: Die Bestechung von Journalisten ist in Deutschland nicht strafbar. Darüber hinaus werden Journalisten auch instrumentalisiert, indem man ihnen Informationen zuspielt, die dann die erwünschte Berichterstattung oder einen gewollten Skandal auslösen. „Ich bin auch von anderen eingesetzt worden“, so Leyendecker, „und habe immer abgewogen, wie weit ich das mitmache“. Probleme mit Korruption in den Medien seien bei Skandalen in der Vergangenheit nur kurzfristig aufgezeigt worden – zu einer Lösung sei man laut Leyendecker nie gekommen. Sein Fazit: „Dass man als Journalist saubere Hände behält, glaube ich keine Sekunde.“

Ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung hält die Medien in Deutschland für ziemlich korrupt

Das ergab eine Umfrage der Organisation Transparency International, die am 9. Juli 2013 vorgestellt wurde. Auf einer Skala von eins bis fünf gaben die Befragten den Medien den Wert 3,6: deutlich schlechter als das Mittelfeld und um 0,6 Punkte schlechter als vor drei Jahren. Umfragewerte, die darunter lagen, hatten nur die Privatwirtschaft (3,7) und die politischen Parteien (3,8). Der DJV sieht darin ein Alarmsignal. Die Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Online-Portalen. Wenn die Menschen den Medien nicht mehr vertrauen, ist es höchste Zeit, gegenzusteuern. Wie? Zum Beispiel indem die wirtschaftliche Basis der Journalisten gestärkt wird. Insbesondere Freiberufler müssen auch künftig in der Lage sein, vom Journalismus zu leben. Andernfalls gerät die Unabhängigkeit der Medien nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung in eine noch größere Schieflage.

Michael Konken: „Die Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut“

„Die Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Online-Portalen. Wenn die Menschen den Medien nicht mehr vertrauen, ist es höchste Zeit, gegenzusteuern.“ Von dem Glaubwürdigkeitsverlust seien Journalisten und Medienunternehmen gleichermaßen betroffen, da er sich auf die Auflagen der Printmedien auswirken könne. „Wenn Leser, Zuschauer und Hörer den Eindruck gewinnen, dass nicht mehr sorgfältig zwischen Werbung und journalistischen Inhalten getrennt wird, ist das fatal“, sagte Konken.
Der DJV-Vorsitzende forderte die Medienunternehmer auf, die wirtschaftliche Basis der Journalistinnen und Journalisten zu stärken. Es müsse endlich Schluss sein mit prekären Arbeitsbedingungen. „Insbesondere Freiberufler müssen auch künftig in der Lage sein, vom Journalismus zu leben. Andernfalls gerät die Unabhängigkeit der Medien nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung in eine noch größere Schieflage. Mit diesem Wert darf sich kein einziges Medienunternehmen in Deutschland abfinden“, sagte Konken.
Autor: Björn Bendig

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  • Pitt

    Dieser Artikel kratzt das Problem der fehlenden Pressefreiheit lediglich an. Die ganze Wahrheit ist das noch lange nicht. Presse wird ganz eindeutig von den Gruppierungen, die von den Medien profitieren, für deren Machterhalt missbraucht. Es ist ganz simpel: Eine Zeitschrift, die monatlich eine ganzseitige Werbung für die Firma BMW geschaltet hat, wird diese Firma niemals ernsthaft kritisieren – und sei der Bockmist noch so gewaltig.

  • logo

    solange die presse so lügen, betrügen, vertuschen und manipulieren darf, kann man nicht von demokratie sprechen. denn die menschen hatten keine fairen entscheidungsgrundlagen.

    daruber hinaus steht die presse noch über den politikern- die, ja, welchen herren dienen? und ist deren wachhund.

    fazit. gewisse presseartikel jedes mediums nicht mehr konsumieren + selbst seine worte verantwortungsvoll einsetzen.

  • ein Mensch

    Und viertens spielt die Werbung eine erhebliche Rolle, die bei kritischer Berichterstattung ganze Verlage einen Großteil ihrer Einnahmen entziehen können.

    Wenn Medienunternehmer im Wettbewerb stehen und gar Globalplayer wie Bertelsmann der Politik die Richtung und die passenden geschönten Statistiken eintrichtern, ist weder von solchen Medien noch von den Politkern die Wahrheit zu erfahren.
    Der ruinierende Wettbewerb der mit der Würde von Menschen nichts gemein hat, zeigte diverse Verlagsschließungen und Entlassungen wie auch in der „freien“ Wirtschaft, die sich weder solche Medien kaufen noch an solchen einseitig manipulierenden Medien interessiert sind.

    Journalistinnen und Journalisten zu stärken würde wohl auch auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), wie es vielseitig anstatt Hartz IV gefordert wird, hinauslaufen.

    Insbesondere nun „prekäre“ „Freiberufler“, werden wohl gegenüber „prekäre“ abhängige Sklaven im angeblichen Normaljob, einerseits bevorzugt und andererseits dem System so hörig und gefügig gemacht.

    Sicher lesen hier wohl viele Journalistinnen, Journalisten und kleine KMUs/Verlage mit:
    Was steckt hinter den „prekären“ Jobs in Deutschland, in Europa und in der Welt?
    Es ist ganz einfach die Todsünde der Gier. Gewissenlose Ausbeuter, Sklaventreiber, Politiker, Lobbyisten, Globalpayer, Ämter – Behörden, Job-Center und Richter.

    Die Gier und dessen Systeme sind fast immer die Gleichen:
    Die Willkür unter der CDU/CSU-SPD-FDP ist die Gleiche wie unter der NSDAP und das unter den – Augen und Ohren der – NSA – die Deutschland – besser – überwacht – als die StaSi oder gar den NSDAP. Die verbotene und verurteilte Willkür zu der es zu jedem Punkt Vergleiche zum Hartz IV System gibt:
    http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv006132.html Rn. 126 – 144 etc.
    Bei Bedarf sende ich ihnen auch mehrere Verlinkungen zu jeder Position die auf Hartz IV zutreffen. Aber selbst eine einzelne Maßnahme der Willkür ist verboten und spricht auch gegen das Recht, anderseits würde auch das Unrecht gegen Juden erneut per Gesetz zu Recht!

    „Studie zeigt »verheerende« Folgen von Hartz-Sanktionen
    NRW-Untersuchung über Auswirkungen von Sperrzeiten gegen Erwerbslose / Kipping: »Spirale von Verschuldung und Hoffnungslosigkeit«
    Berlin. Unmut über die massenhaften Sanktionen gegen Erwerbslose gibt es schon länger. Nun können sich die Kritiker durch eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung über die Ursachen und Auswirkungen von sozialrechtlichen Strafen bestätigt sehen. …“
    http://www.neues-deutschland.de/artikel/921254.studie-zeigt-verheerende-folgen-von-hartz-sanktionen.html
    ( Ironisch gesehen, sollte sich die Zeitung – armes Deutschland – nennen.)

    Hartz IV – Agenda 2010 – Troika – Spardiktate:
    vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Hungerplan

    Wirtschaftskontrolle der Troika für Bänker und andere Globalplayer der Gier:
    vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Europapläne
    Siehe dazu auch Griechenland, Spanien, Portugal etc..

    ZDF Interview – Professor Albrecht über Deutschlands Weg in den Überwachungstaat
    https://www.youtube.com/watch?v=SilOG1uexSQ
    ARGEn und Jobcenter lassen überwachen! Frau Merkel und Herr Gauck auch!

    Hartz IV Opfer – Tote:
    http://blog.sebi-rockt.de/2011/06/18/wir-gedenken-den-hartz-iv-opfern/
    Für Gierige in den Tod getrieben.
    Siehe dazu: Rn. 63 vorletzter Satz: „.. zum Selbstmord getrieben oder hingerichtet worden, und zwar in vielen Fällen ohne daß auch nur der Schein des Rechtes gewahrt worden wäre. Alle diese Tatsachen erhellen, das Goebbels zur Durchsetzung seiner Absichten ebenso wie die andern nationalsozialistischen Machthaber vor keiner Gewalttat zurückschreckte.“
    http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv007198.html
    Somit ist „zum Selbstmord getrieben“ eine Gewalttat durch ARGEn – Jobcenter – u.s.w. bis zur Staatsführung (vgl. verurteilte in der EX DDR) etc.. – Richter.

    Auch NSDAP-Unrecht kann niemals Recht werden.
    Und Deutschland und die USA prangern Menschenrechte an!
    Die arbeiten mit Unterstellungen etc. um andere entgegen der AEMR zu sanktionieren.

    Globalplayer USA muss billiger sein:
    http://einarschlereth.blogspot.se/2014/01/weshalb-obama-nicht-zugibt-dass.html
    Auch in Deutschland wird für billige Teile von A – Z gedrückt und gemobbt. Es ist nur eine Frage der Zeit wann auch würdige Richter das GG und die Menschenrechte lesen bevor Sie Gleichberechtigt vor das letzte Gericht über die Todsünde der Gier landen.