Internationale „Liste der Feinde der Pressefreiheit“

Internationale „Liste der Feinde der Pressefreiheit“

Alle fünf Tage ein toter Journalist. Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlichen zum Tag der Pressefreiheit die Liste ihrer Feinde.

Die internationale Entwicklung ist eindeutig: Weltweit steigt die Gewalt gegen Journalisten in den letzten Jahren an – und auch die Zahl ihrer Feinde wächst. Die neue Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ ist von

Gewalt gegen Journalisten 2010/2011

* ROG nimmt ausschließlich Fälle auf, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Kontext der Berufsausübung stehen. Die Zahlen dokumentieren nur jene Fälle, über die ROG Erkenntnis erlangt hat. Nicht dokumentiert sind Fälle, die von den Opfern aus Sicherheitsgründen bewusst geheim gehalten wurden.

38 auf 41 gewachsen, obwohl einige der größten Gegner unabhängiger Berichterstattung gestürzt wurden –  etwa die Despoten in Libyen und Jemen. Die Liste umfasst Staatschefs, paramilitärische Gruppen und kriminelle Netzwerke, die unabhängige Berichterstattung unterdrücken und der Bevölkerung ihr Informationsmonopol aufzwingen. Auffällig ist, dass es in einer immer größeren Zahl von Ländern mehr als einen „Feind der Pressefreiheit“ gibt.

Bis jetzt, dem 3. Mai 2012 um 23 Uhr, wurden in diesem Jahr bereits 22 Journalisten getötet und 161 Journalisten festgenommen. Bis Jahresende wird sich zeigen, ob sich die Entwicklung der steigenden Gewalt gegen Journalisten fortsetzt, die seit Jahren zu beobachten ist.

Sechs neue „Feinde der Pressefreiheit“ hat ROG in diesem Jahr in die Liste aufgenommen:

  • den ägyptischen Militärrat, der Pressefreiheit ebenso missachtet wie der gestürzte Präsident Hosni Mubarak,
  • den pakistanischen Geheimdienst,
  • die islamistische Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria,
  • den Führer der zu Aserbaidschan gehörenden Autonomen Republik Nachitschewan, Wassif Talibow,
  • Kim Jong-un in Nordkorea, der die Diktatur seines Vaters Kim Jong-il nach dessen Tod fortsetzt, sowie
  • den Informationsminister von Somalia, der Medien systematisch unterdrückt.

In sechs Ländern zählen die ROG inzwischen zwei Feinde der Pressefreiheit:

  • Landkarte der Feinde der Pressefreiheit

    Landkarte der Feinde der Pressefreiheit

    Russland: Staatschef Wladimir Putin und Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow

  • Iran: Präsident Mahmud Ahmadinedschad und den religiösen Führer Ali Chamenei
  • Pakistan: die Taliban und den Geheimdienst
  • Aserbaidschan: Präsident Ilcham Alijew und den Führer der zu Aserbaidschan gehörenden Autonomen Republik Nachitschewan, Wassif Talibow
  • Palästinensische Gebiete: die Palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland sowie die Hamas im Gaza-Streifen
  • Somalia: die islamistische Miliz al Shabaab sowie Informationsminister Abdulkadir Hussein Mohamed.

Weitere Präsidenten, die bald in die Liste aufgenommen werden könnten, sind Ismail Omar Guelleh in Dschibuti, Omar al Baschir im Sudan und Yoweri Museveni in Uganda. Sehr genau beobachtet ROG die Situation im Jemen und in Kolumbien, wo die paramilitärische Gruppe Aguilas Negras (Schwarze Adler) auf der Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ steht und die FARC-Rebellen verdächtigt werden, Ende April einen freien Journalisten entführt zu haben.

Weitere Informationen zu den „Feinden der Pressefreiheit“ (englisch).

Über den Autoren Björn Bendig

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