ROG: „Viele Redaktionen arbeiten nur mit Meldungen von Nachrichtenagenturen, sie beschäftigen Servicebüros statt eigener Autoren“

ROG: „Viele Redaktionen arbeiten nur mit Meldungen von Nachrichtenagenturen, sie beschäftigen Servicebüros statt eigener Autoren“

In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (ROG) liegt Deutschland auf Platz 16. ROG-Vorstand Michael Rediske nannte im Berliner Otto-Suhr-Institut (OSI) Gründe dafür.

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Presse- und Meinungsfreiheit im Grundgesetz verankert. Die Plazierung im internationalen Ranking der Pressefreiheit – auf einem Platz mit Jamaika und Zypern, gefolgt von Costa Rica – zeigt jedoch, dass Pressefreiheit damit nicht automatisch auf einem hohen Niveau gesichert ist. „Medienfreiheit funktioniert nur dann, wenn sie auch eingefordert wird. Zu Versuchen, diese Freiheit einzuschränken, kommt es immer wieder“, erklärte Rediske dem Plenum im OSI. Auch in Deutschland gebe es politische und vor allem wirtschaftliche Gefahren für die Pressefreiheit.

Vorwort zu Rediske: „Wir brauchen eine Öffentlichkeit, die sich des Grundrechts der Pressefreiheit bewusst ist,“ sagte Cornelia Schmalz-Jacobsen von der Friedrich Naumann Stiftung

Als einen zentralen Grund nannte Rediske die Abnahme der Medienvielfalt, was  zu Einschränkungen der Pressefreiheit führt. Vor allem im Bereich des Lokaljournalismus haben mittlerweile viele Zeitungen eine Monopolstellung inne: Als einzige Anbieter in der jeweiligen Region gibt es für sie keine Konkurrenz mehr. Das hat nicht nur zur Folge, dass nur eine Zeitung die politische Berichterstattung macht, auf dessen Grundlage die Wähler ihre Wahlentscheidung bei Kommunalwahlen fällen. Ebenso steigt der Einfluss der Wirtschaft oder genauer der Anzeigenkunden der Zeitung in dieser Region. Da Zeitungsredaktionen relativ selten kritisch über Geldgeber berichten, fehlt die Medienpluralität, um sämtliche Themen von öffentlicher Relevanz konsequent zu bearbeiten.

Ein weiterer Grund für eingeschränkte Pressefreiheit in Deutschland seien Rationalisierungsmaßnahmen in Medienunternehmen. Es werden zu wenig Ressourcen für beispielsweise Recherchen und eigene Berichte zur Verfügung gestellt: „Viele Redaktionen arbeiten nur mit Meldungen von Nachrichtenagenturen, nicht mit eigenen Korrespondenten; sie beschäftigen Servicebüros statt eigener Autoren“, sagte Redikse. Rationalisierungen seien zwar dort akzeptabel, wo der technische Fortschritt sie erlaube. „Aber an Inhalten und an der Qualität darf nicht gespart werden“, so Rediske weiter, „Journalisten müssen den Anfängen wehren und konsequent für ihre Rechte eintreten“, forderte der Journalist.

Rediskes Vortrag war der erste der Ringvorlesung „Pressefreiheit“ des Otto-Suhr-Instituts. Sie  findet im laufenden Sommersemester jeden Montag um 18 Uhr im Hörsaal A, Ihnestraße 21, in Berlin-Dahlem statt. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen.

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