Post an Wagner: Schäm Dich!

Post an Wagner: Schäm Dich!

Von Björn Bendig

Lieber Franz Josef Wagner, über 43.000 Bürger protestieren aktuell gegen Deine Bild-„Kolumne“, die immer schwer genießbar war. – Jetzt, nach Deinem „Brief“ an die Opfer des Germanwings-Absturzes, ist sie unerträglich geworden.

Schauspielerin Jenny Jürgens richtet Petition an Bild-Chef Kai Dieckmann

Diese Auffassung vertritt die Schauspielerin Jenny Jürgens. Sie startete eine Petition, adressiert an Deinen Chef Kai. Und sie findet in den letzten Tagen und bis jetzt eine beeindruckende Resonanz.

Sie scheinen Dir zuzurufen: Schäm Dich! „Diese Form der Berichterstattung hat nichts mehr mit Journalismus, sondern nur noch mit Zynismus zu tun“, heißt es in der Petition.

Was ging in Deinem verwirrten Gehirn, das gerne auch zum Thema Homo-Ehe oder Behinderte grotesk konfabuliert, eigentlich vor, als Du diese obszönen Worte zum Germanwings-Absturz gebarst?

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„Jeder Satz ist wie ein dicker, fetter Fisch, den man filetieren muss“, sagtest Du einmal über Deine „Kolumne“ in einem Bild-Interview. Ich sage: Du bist wie ein dicker, fetter Fisch, den man mit Sätzen filetieren muss.

Gefährdet die Petition die Pressefreiheit?

Ist die Empfehlung der Empörten ein „Angriff auf die Pressefreiheit“, wie es der Journalist Dirk von Gehlen kritisiert? – Sicher nicht. Die Petition an die Bild-„Zeitung“ ist eine kollektive Meinungsäußerung in einer notwendigen Debatte. Nicht mehr und nicht weniger. Eine „Gefahr“ für die Pressefreiheit lässt sich daraus nicht ableiten. Würden einige zehntausend kritische Bürger ausreichen, um die Publikationsgewohnheiten der Bild-„Zeitung“ zu ändern: Wir hätten heute eine andere Medienlandschaft in Deutschland.

Von Gehlen folgt mit dieser Behauptung einer unter Kollegen häufiger zu beobachtenden Marotte, berechtigte Kritik der Leser abzuwehren, indem man eine eigenartige Schutzhaltung einnimmt und „Angriff auf die Pressefreiheit!“ ruft.

Selbst die Petitions-Stellerin Jenny Jürgens lässt die Kirche im Dorf: „Es gibt wichtigeres als diese Kolumne? Ja, das stimmt. Mag gut sein, dass diese Petition nichts ändern wird … so wird es wohl kommen. Aber eines ist gewiss, man fühlt sich besser, wenn man einmal laut gebrüllt hat.“

Von Goethe und Voltaire

„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst“, heißt es bei Voltaire. Diesem edlen Gedanken folgend, sollte eine offene Gesellschaft selbst Deine unterirdischen Äußerungen aushalten können. Und Du solltest das Echo vertragen.

Du wirst von unseren Kollegen mehr als nur gelegentlich „Gossen-Goethe“ genannt. Findest Du das angemessen? Solltest Du nicht darum bitten, uns das „Goethe“ in Zukunft zu ersparen? Damit das übrig bleibt, was Deine „Verse“ ausmachen? – Als ehemaliger Student eines alt-ehrwürdigen Magisterstudiengangs der Germanistik (und Journalistik), würde ich einen solchen Schritt sehr begrüßen. Was meinst Du, würde Goethe dazu sagen?

Und jetzt kommst Du

Aus Gründen der Journalistischen Fairness möchte ich Dich selbst zu Wort kommen lassen. Was wäre dafür geeigneter als eben diese „Kolumne“ zum Germanwings-Absturz? Was wäre geeigneter, Dich zu charakterisieren, als Dein Nachsinnen über das Quengeln von Babys kurz vor ihrem Tod?

Und so heißt es bei Dir:

„Liebe Absturz-Opfer,

Das Gepäckband in der Ankunftshalle, das Eure Koffer bringen soll, bewegt sich nicht. Was für ein Treiben, Schubsen sonst um Rücksäcke, Samsonites. Das Gepäckband in Düsseldorf bewegt sich nicht, weil Tote keine Koffer abholen. Die Koffer und die Toten liegen verstreut in den französischen Alpen. Zwei Babys waren im Flugzeug und eine deutsche Austausch-Schülerklasse. Was alles geschah in diesem Flugzeug – bevor es abstürzte? Knabberten die Passagiere Nüsse, tranken sie Cola, guckten sie in die Sonne durch das Kabinenfenster? Nervten die Babys, die quengelten? Wie war die Stimmung in dem Flugzeug, das in den Tod flog?
Ich hoffe, sie waren glücklich, bevor sie starben. Nette Stewardessen …
Es ist so furchtbar. Ich will kein Wort mehr darüber schreiben.
Herzlichst, Franz Josef Wagner“

Und falls Du Dich mal über die Eckpunkte von gutem Journalismus unterhalten möchtest: Flieg einfach vorbei.

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  • Max

    …Ekelhafter Typ! Sowas soll unter die Prssefreiheit fallen? Schmarrn!

  • Uschi Gras

    schade um jeden Baum der für dieses Schmierenblatt gefällt wird und uns dadurch noch obendrein die Luft zum Atmen wegnimmt….

  • Mario

    BILD war, ist und wird immer sein: Geschmacklos und Volksverdummend!!!

  • jamu

    Wagner sollte seine Niederlage eingestehen, seinen Hut nehmen und gehen….nach Pusemuckel am Besten.