Pressefreiheit: 60 Prozent glauben an „gelenkte“ Medien

Pressefreiheit: 60 Prozent glauben an „gelenkte“ Medien

Sind Journalisten „Profis mit Maulkorb“? Eine repräsentative TNS Emnid-Studie zeigt den Vertrauensverlust der Medien in der Bevölkerung. Erschreckende Ergebnisse für die Branche. Der Bayerische Rundfunk (BR) hatte die Studie über die Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Medien in Auftrag gegeben. Befragt wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren in Deutschland.

„Lügenpresse“? – Meinungen zur Freiheit der Medien

Grundsätzlich zeigt die Studie, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung davon ausgeht, die Berichterstattung der Medien sei „gelenkt“. Sie sind der Meinung, dass Medien vorgegeben wird, worüber und auf welche Art sie berichten sollen, und glauben an eine Einflussnahme von Regierung, Wirtschaft und Parteien. Nur ein Drittel der Befragten hält die Berichterstattung der deutschen Nachrichtenmedien für wirklich unabhängig.

Gelenkte Medien? Von wem?

Frage: Haben Sie den Eindruck dass den Nachrichtenmedien vorgegeben wird, worüber oder auf welche Art sie berichten sollen?
Und wer macht Ihrer Meinung nach diese Vorgaben?

Gelenkte Medien Emnid

Dabei zeigt sich, dass viele Befragte die allgegenwärtigen „Lügenpresse“-Vorwürfe, wonach Medien manipuliert sind, zu glauben scheinen.

Können sich Journalisten frei äußern?

Darüber hinaus vermuten zwei Drittel aller Deutschen, dass Journalisten häufiger einen „Maulkorb“ verpasst bekommen. Der Aussage: „Journalisten dürfen oft nicht das sagen, was sie wirklich denken“ stimmten 65 Prozent voll oder eher zu. 55 Prozent kritisierten, dass Journalisten „vielen Themen zu wenig auf den Grund“ gehen, und rund die Hälfte der Bevölkerung (48 Prozent) ist der Auffassung, dass Journalisten „häufig einseitig zugunsten ihrer eigenen Meinung“ berichten.

Berichten Medien absichtlich falsch?

Unter der unscheinbaren Überschrift „Stimmungsbild – Positionen zur Lage Deutschlands im Allgemeinen“ findet sich in der Emnid-Studie eine brisante Einschätzung der Deutschen: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) unterstellt Journalisten, dass sie „absichtlich die Unwahrheit“ sagen.

Medien berichten absichtlich Unwahrheit

Journalisten als Agenten der Mächtigen

Öffentlich-rechtliche und private Rundfunkanbieter sowie Boulevardzeitungen stützen das Establishment laut Studie eher, als es zu kontrollieren. Das sagen mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Nur bei Wochenzeitungen überwiege die Kontrollfunktion.

„Vierte Gewalt“ oder Stütze des Establishments?

Frage: Kontrollieren oder stützen die Nachrichtenmedien mit ihrer Berichterstattung die „Mächtigen“ im Land, also Staat, Regierung,
Wirtschaft, einflussreiche Personen und Interessengruppen?

Journalisten als Agenten der Mächtigen

Bürger fordern Transparenz und Tiefe

Die Deutschen wünschen sich von den Nachrichtenmedien vor allem, dass diese nicht nur über Probleme, sondern auch über Lösungsansätze berichten. Zwei Drittel fordern eine tiefergehende Berichterstattung: In ihren Augen sollten Medien Sachverhalte nicht zu sehr vereinfachen oder zu stereotyp darstellen (66 Prozent) und mehr auf die Folgen der Entscheidungen von Politikern eingehen (61 Prozent). Die Mehrheit wünscht sich zudem mehr Transparenz in den Medien – diese sollten die Quellen ihrer Informationen besser und detaillierter offenlegen. Die Hälfte der Befragten wünscht sich, dass die Medien ihnen mehr Gehör schenken und über ihre eigenen Sorgen und Probleme berichten.

Allgemeines Unbehagen und Folgen für die Medien

Das Fazit der Studie im Wortlaut: „Das große – inhaltlich aber sehr diffuse – Misstrauen der ‚Zweifler‘ gegenüber etablierten Medien ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs für ein grundsätzliches Dilemma, vor dem Medienanbieter stehen: Ein allgemeines Unbehagen gegenüber Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Eliten, das sich im Zuge der Krisen der vergangenen Jahre nun auch offensiv manifestiert. Dieses Unbehagen erfasst – da sie ‚als Teil des Systems‘ wahrgenommen werden – auch die Medien.

Der Eindruck, dass die Medien das Establishment stützen oder gar von ihm gelenkt werden, gibt diesem Dilemma weitere Nahrung. Hinzu kommt, dass Medien in ihrer Funktion als Übermittler von Nachrichten ebenso wie von Meinungen der Politik(er) und anderer gesellschaftlicher Eliten nicht selten in ‚Mithaftung’genommen werden für die Inhalte, die sie übermitteln.
Vor diesem Hintergrund ist auch die hohe Zustimmung zu der Einschätzung, dass in den Medien häufig absichtlich die Unwahrheit gesagt wird, zu werten.“

Download: BR-Studie (TNS Emnid) zum Vertrauen in die Medien 2016

Ähnliche Beiträge zum Thema:

  • Pingback: Anstrengende Pressefreiheit! | P-Magazin.de | P-Magazin.de()

  • Omega

    Es ist ja schonmal ein Anfang sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzten aber das man das Thema immer gleich in die völlige Absurdität abschiebt ist doch etwas vorschnell. Es gab schon genug Journalisten die „auspackten“. Oft wird zB einfach abgeschrieben, von Quellen die vlt unabhängig aber dafür sehr parteiisch sind (CNN). Politiker werden mit Samthandschuhen angefasst weil man sich mit deren Auftritten auch noch in Zukunft schmücken möchte und bei der „Bild“ (ja die gehört auch zu den Medien) wird von jedem Journalisten verlangt nichts gegen das transatlantische Bündniss zu schreiben oder Rauswurf. Und die Terror Berichterstattung schafft selber Terror. Anstatt den Zuschauer mit Infos über eine Messeratacke und einen Amoklauf Tagelang(!!!) zu bombadieren + Sondersendungen hätte eine Meldung völlig ausgereicht. Hier hecheln die Medien den Populisten nach und klopfen sich auch noch auf die Schulter weil „Sie verschweigen ja nichts mehr“. Während der Zuschauer sich nicht mehr aus dem Haus traut und von nun an CDU/AfD wählen wird. Ja, „Lügenpresse“ ist Unsinn. Das unsere Medien aber ihren Auftrag völlig verstanden haben davon kann auch keine Rede sein.