Was dein Smart-TV ins Internet posaunt! – Big Brother Award 2014

Was dein Smart-TV ins Internet posaunt! – Big Brother Award 2014

Viele Geräte und Programme telefonieren gern „nach Hause“: Sie übermitteln dem Hersteller Daten darueber, was der Nutzer gerade macht – ohne dessen Wissen oder gar Zustimmung. Gerade wurden die Fernseher der koreanischen Firma LG deswegen mit dem BigBrother Award 2014 ausgezeichnet.

‚Smarte‘ Teleschirme sind keine Fernsehgeräte mehr, sondern flache Computer mit Bildschirm.

Und sie haben einen Internetanschluss. Es fiel einem Blogger aus England auf, dass sein Fernsehgerät Daten ins Netz sendet. Es war ein Gerät der Fima LG, das brav an seinen Hersteller in Korea Informationen darüber sendete, was das Gerät so anzeigt. Welcher Sender gerade eingeschaltet ist, welche DVD eingelegt ist, oder welche Filme oder Musikstücke auf einer angeschlossenen Festplatte oder einem USB-Stick so gespeichert sind.

Dieser Blogger suchte im Einstellungsmenü, ob er das deaktivieren konnte. Er fand tatsächlich einen Schalter, er klickte ihn an – und nichts änderte sich. Das Gerät sendete diese Informationen einfach weiter. Auf diese ‚geniale‘ Art und Weise lassen sich nun die Nachteile des Fernsehens mit den Nachteilen des Internets verbinden. So werden wir ausspioniert, bis in den Kernbereich unserer Privatsphäre hinein. Dafür hat die Firma LG den BigBrotherAward redlich verdient.

HbbTV-Studie: Internetanschluss reicht zur Überwachung aus

Ein Forscherteam der technischen Universität Darmstadt hat sich mit dem dahinter liegenden Standard – der heißt HbbTV – in einer Studie beschäftigt und zeigte sich „überrascht, wie viele Daten dort wie häufig ausgesendet wurden“, erklärte ein Mitglied des Forscherteams. Adressaten der Daten seien unter anderem die Server großer Werbetreibender gewesen. Bei den Untersuchungen der Forscher wurden Daten zum TV-Verhalten auch bei Fernsehern übertragen, bei denen der Zuschauer gar keine smarten Inhalte abgerufen hatte. „Fernsehen mit Internetanschluss reichte aus, um den Datenverkehr loszutreten.“

Immer komplexere Fernsehwelt

HbbTV soll uns das Fernsehen einfacher machen. Mittels des roten Knopfes auf der Fernbedienung lässt sich nun eine Mediathek aufrufen, damit „der Zuschauer“ sich in einer „immer komplexer werdenden Fernsehwelt“ zurecht findet, so der Werbetext. Gratis dazu gibt’s personalisierte Werbung und den Abruf aller notwendigen Informationen, damit die Zuschauenden gut zu manipulieren sind.

Vor dieser Manipulation müssen wir uns schützen. Je mehr wir verleugnen, dass wir manipulierbar sind, desto manipulationsanfälliger sind wir. Wer viel über uns weiß – und sei dieses Wissen auch scheinbar ganz unbedeutend – hat viel Macht über uns.

Die Lüge von den Metadaten

Die Süddeutsche Zeitung berichtete im März unter der schönen Überschrift „Die Lüge von den Metadaten“ von einem Experiment von Forschern der Universität Stanford. Hier war das Instrument der Überwachung ein Smartphone:

Auf den Smartphones von 500 Probanden wurde eine App installiert, die fünf Monate lang alle Metadaten an die Forscher versandten.

Das Ergebnis war erschreckend:

„[…] nach einer genaueren Durchsicht der Verbindungen stießen die Forscher dann auf allerhand menschliche Verfehlungen. Nur anhand der Metadaten konnten sie auf Geschlechtskrankheiten, außereheliche Affären, Waffenbesitz, Drogenhandel schließen. In ihren Datenbeständen offenbarten sich in harten Fakten die schlimmsten Befürchtungen der Bürgerrechtler.

In manchen Fällen schienen die offenbarten Verbindungen und die dahinterliegenden menschlichen Schicksale derart intim zu sein, dass das Forscherteam ihnen nicht weiter nachgehen wollte und davon absah, die Teilnehmer für eine Bestätigung ihrer Vermutungen zu kontaktieren.“

Der Inhalt mag das sein, was wir sagen. Metadaten und Daten darüber, was wir anschauen oder auf unseren Festplatten gespeichert haben, beurkunden, was wir wirklich denken und was wir tun.

Digitale Selbstverteidigung


Der Fernseher mutiert zum Überwachungsinstrument

Der Fernseher mutiert – auch wenn wir den Entwicklern von HbbTV nur die besten Absichten unterstellen – zum Überwachungsinstrument. Morgen werden alle Fernseher – wie heute schon Laptops – Kameras und Mikrofone enthalten. Es gib Zusatzgeräte, wie die sogenannte Kinect der Firma Microsoft, die schon heute erkennen können, wie viele Menschen vor dem Teleschirm (denn auch ein Spielecomputer wie die XBox ist nichts anderes) sitzen und welche Mimik ihre Gesichter gerade ausdrücken, welche Bewegungen sie machen. Das Mikrofon ist ständig eingeschaltet, damit das Gerät auf Zuruf starten kann.

Anders als die Entwickler des HbbTV-Standards hat Microsoft sich über den Schutz der Privatsphäre wenigstens ein bisschen Gedanken gemacht. Man kann dem Gerät „schalte Dich ab“ zurufen – und dann schaltet es sich auch tatsächlich ab und kann nicht mehr mit der Stimme, sondern nur noch manuell wieder eingeschaltet werden.

Da hat ja vielleicht auch der BigBrotherAward im Jahr 2003 geholfen, den sich Microsoft – anders als die meisten anderen Firmen – in Bielefeld abgeholt hat und versprochen hat, sich mehr um den Schutz der Privatsphäre und Datenschutz zu bemühen.

Gruselig ist die Vision, dass uns unsere Geräte die ganze Zeit beobachten und unser Tun und Lassen wann immer sie es für richtig finden, weiter melden, allemal.

Ein Wiki kümmert sich jetzt darum, diese digitale Schwatzhaftigkeit zur dokumentieren, damit Nutzer gewarnt sein können. Ebenso bietet es Hilfe, wie man diese Funktionen gegebenenfalls abschalten oder unterbinden kann. Die Inhalte des Wiki haben sich in den vergangenen Wochen explosionsartig vermehrt.
http://www.telefoniert-nach-hause.de/index.php/Hauptseite .

„Telefoniert nach Hause „: Wiki kümmert sich um Datenschnüffler unter anderem im trauten Heim
http://www.heise.de/security/meldung/Telefoniert-nach-Hause-Wiki-kuemmert-sich-um-Datenschnueffler-unter-anderem-im-trauten-Heim-2068364.html .

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  • Leutenberger

    kauft diese Fernseher nicht! hier hat der Technische Fortschritt seine Grenze. Ihr bezahlt mit eurer Privatsphäre!

  • Pingback: Flach TV Nachrichten | Einkaufen Macht Spass mit Saleyaa.com Deutschland()

  • Niederrheiner

    Leider wird diese Seite, wie so viele, die über das datensammeln der Großkonzerne informieren, seit 2014 nicht mehr betrieben. Schade !