Watchblog schlägt Vatikan: Der Papst klagt nicht mehr

Watchblog schlägt Vatikan: Der Papst klagt nicht mehr

„Der Papst hat Sie dazu beauftragt, seine Persönlichkeitsrechte in Deutschland zu schützen. Für welche Medien mit welchen Eigenschaften gilt das?“

Diese Frage stellte Pressefreiheit in Deutschland seit dem Verbot des umstrittenen „Titanic“-Covers den Anwälten des Papstes. Nach zahllosen Mails und Anrufen, bei denen die Kanzlei Redeker Sellner Dahs Fragen zur Klagepolitik des Papstes immer wieder an die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) verwies – während die DBK nicht müde wurde zu behaupten, die Anwaltskanzlei sei dafür zuständig – gibt es jetzt eine erste Antwort. Gernot Lehr, Anwalt von Gottes Stellvertreter auf Erden, teilte auf telefonische Nachfrage und einer darauf folgenden langen Pause mit: „Das gilt nur für das Satiremagazin ‚Titanic‘.“ Zur zweiten Frage: „Kann also das unzensierte ‚Titanic‘-Cover ab jetzt wieder publiziert und verbreitet werden – insbesondere von Bloggern und anderen Onlinemedien – , ohne dass mit einer Strafverfolgung zu rechnen ist?“, wollte Herr Lehr jedoch keine Stellung mehr beziehen. Er verwies, was für eine Überraschung, an die DBK.

Die Zensur des Papst-Covers der ‚Titanic‘ ist gefallen

Pressefreiheit in Deutschland hat bereits im Artikel „Der Papst gegen den Streisand-Effekt“ darauf aufmerksam gemacht, dass eine Zensur des Covers im Internet praktisch nicht durchsetzbar sei – denn laut „Streisand-Effekt“ verbreiten sich Bilder, die juristisch unterdrückt werden sollen, im Internet schneller als vor dem Verbot. Darüber hinaus hat Pressefreiheit in Deutschland den Test gemacht und die Anwaltskanzlei des Papstes, die DBK und den Vatikan darüber informiert, dass hier seit dem 11. Juli 2012 das unzensierte Papst-Cover der ‚Titanic‘ verbreitet wird. – Mit der Bitte um eine Klage oder der Entwarnung, dass der Papst von weiteren Zensur-Bemühungen absieht. Eine einstweilige Verfügung liegt der Redaktion in dieser Sache bis heute nicht vor. Daher gibt es eine Entwarnung. Watchblog schlägt Vatikan, der Papst verliert gegen den „Streisand-Effekt“ im Internet.

Mathias Kopp, Pressesprecher der DBK, stellte bereits vor Wochen zur Eingangsfrage dieses Artikels fest: „Da das eine juristisch heikle Frage ist, werden wir wie jedes gute Unternehmen oder Ministerium keine mündlichen Auskünfte darüber erteilen.“ Die von ihm angekündigte „klare Antwort“ zum Thema blieb jedoch bis heute aus. Dafür stellte Kopp schriftlich klar: „Nein, der Papst hat die Deutsche Bischofskonferenz nicht dazu beauftragt, seine Persönlichkeitsrechte in Deutschland zu schützen.“ Die Anwälte des Papstes verweisen zum Thema Klagepolitik an die DBK, und diese ist nach eigener Aussage gar nicht zuständig. Für den Medienpraktiker heißt das: Die Zensur ist gefallen.

 

Über den Autoren Björn Bendig

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